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Mach dich schlau!

Kinder tun manchmal Dinge, die uns unbegreiflich erscheinen

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© Andreas Schenk

Liebe Eltern, Ihr kennt bestimmt diese Situation. Euer Kind, vielleicht gerade zwei Jahre alt, steht lange auf einer Fußbank vor dem Waschbecken und lässt das Wasser laufen. Mit der Hand geht es unter dem Wasserstrahl entlang, das Wasser verändert die Richtung, spritzt zur Seite. Mit Zahnputzbechern, Fläschchen und Eimer wird fleißig Wasser umgefüllt. Dabei ist Euer Kind vollkommen in diese Tätigkeit versunken, reagiert kaum auf Ansprache. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich Euer Kind gerade in einem tiefgreifenden Bildungsprozess befindet.
Tags drauf im Sandkasten wird auch fleißig von einer Backform in einen Eimer und mit der Gießkanne Sand umgefüllt. Der Sand wird mit Wasser gemischt und beim Umfüllen stellt Euer Kind fest, dass sich das Fließverhalten des Sandes ändert. Auch hier ist Euer Kind vollkommen in die Tätigkeit versunken. Es eignet sich Weltwissen an. Euer Kind entwickelt erstes Verständnis von Gravitation und stellt fest, dass sich Dinge, die fallengelassen werden, immer von oben nach unten bewegen. Wasser verändert den Zustand von Sand. Beim Umfüllen in verschieden große Formen, ob mit Wasser oder Sand, macht Euer Kind Erfahrungen mit Volumen und eignet sich spielerisch erste mathematische Grundkenntnisse an. Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass Kinder aus sich selbst heraus, man sagt intrinsisch, lernen.

Das Spielen ist die Arbeit

Deshalb ist es so wichtig, Kindern im Rahmen des Spielens und Erforschens der Eigenschaft von Dingen und Stoffen Möglichkeiten zu geben, diesen Interessen nachzugehen. Natürlich muss das nicht so weit gehen, bis das gesamte Badezimmer unter Wasser steht, aber vielleicht reicht es aus, eine Schüssel mit Wasser und verschiedene Behälter zum Experimentieren zu geben. Als Eltern oder pädagogische Fachkräfte in Kitas können wir das Lernen der Kinder dadurch unterstützen, dass wir vielfältige Materialien für die Kinder erreichbar zur Verfügung stellen, dass wir neugierig verfolgen, was das Kind damit macht und wir das Tun des Kindes mit unserem Wissen begleiten. Im Laufe der Zeit entwickeln sich aus diesem scheinbar spontanen Tun des Kindes Interessen. Ihr werdet beobachten, dass sich bestimmte Interessen Eures Kindes in unterschiedlichen Spielsituationen wiederfinden. Z.B. das Interesse für Dinosaurier beim Vorlesen von Büchern, beim Rollenspiel mit anderen Kindern oder Bauen und Konstruieren ganzer Landschaften im Sandkasten. Interessen begleiten uns oft ein ganzes Leben lang und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder sehr gut lernen, wenn sie ihre Interessen beim Lernen wiederfinden.

Vielleicht probiert Ihr es selber mal aus und beobachtet, was Euer Kind gerne tut und womit es sich intensiv beschäftigt. Dabei ist es wichtig mit einem positiven Blick das Tun des Kindes zu begleiten, nicht darauf zu achten, was es vielleicht noch nicht so gut kann. Habt Vertrauen in Euer Kind. Wir können als Erwachsene auch nicht alles gleich und gut. Wir haben auch unsere Vorlieben und Stärken.

In einem weiteren Artikel werde ich Euch unterschiedliche ressourcenorientierte Beobachtungsverfahren vorstellen und was Kinder dabei lernen.

 

Autor*in: Andreas Schenk

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Datum: 26 Jul, 2022