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Mehrsprachigkeit und Diversität

Sprache ist mehr als nur sprechen

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© Angela Görsch

Babylon oder was? Sollen in Kitas wirklich Konzepte zur Mehrsprachigkeit gelebt und umgesetzt werden?

Ja, unbedingt! Konzepte zur Förderung von Mehrsprachigkeit unterstützen Kinder nachweislich in ihrer Sprachentwicklung. Sprache ist eingebettet in die Gesamtentwicklung des kognitiven und sozialen Lernens von Kindern. Mittels Sprache beginnen Kinder ihre Welt zu erfassen und zu ordnen. Sprache prägt die Identität von Kindern, ist Teil der Persönlichkeit und wichtige Schlüsselkompetenz für lebenslanges Lernen und späteren Bildungserfolg.

Mehrsprachigkeit ist gesellschaftliche und auch in allen Bildungseinrichtungen Realität, wird didaktisch aber leider kaum genutzt.  Vielmehr folgt Sprachbildung oft dem Prinzip der „Einsprachigkeit“ nach dem Motto, “hier wird Deutsch gesprochen”, gerade auch im Hinblick auf die Schule. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen jedoch, dass Kinder, die mit mehreren Sprachen und Dialekten aufwachsen, sich kreativ der Vielfalt bedienen und der Erwerb der deutschen Sprache unterstützt wird.

Bildungsorte wie Krippen und Kitas sind deshalb gefordert, die Kinder in ihrer Persönlichkeit anzuerkennen und wertzuschätzen und sie in ihrer gesamten Entwicklung zu unterstützen. Dazu ist es notwendig, dass pädagogische Fachkräfte Mehrsprachigkeit als Normalität wahrnehmen und fördern.

 

Doch wie wird Mehrsprachigkeit aktiv in Kitas umgesetzt?

Hier einige Beispiele: In mehr als 50 Kitas in Hannover werden die Sprachbildungsprogramme Rucksack KiTa und Griffbereit umgesetzt. Kinder und Eltern gehen spielerisch Materialien zu unterschiedlichen Themen der Alltagsbildung in Muttersprache durch. Angeleitet werden die Gruppen von ausgebildeten muttersprachlichen Elternbegleiter*innen. Die Themen finden sich im pädagogischen Alltag der Kita in Deutsch wieder und werden so verankert.

In der Kita und Familienzentrum Im Wiesengrunde 45 wird begrüßt, wenn Familien und Kinder in ihrer Familiensprache miteinander sprechen. In der Einrichtung arbeiten pädagogische Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichen Muttersprachen, u.a. türkisch, arabisch, deutsch, russisch, polnisch, rumänisch und Sprachkenntnissen in italienisch, englisch, spanisch und französisch.

Für die Anmeldung im Kita Web, steht den Familien eine Anleitung in verschiedenen Sprachen zu Verfügung. Auf Elternabenden, bei Elterngesprächen wird zusätzlich gerne ein Dolmetscherdienst genutzt. Besonders zu Beginn der Kindergartenzeit fühlen sich die Kinder sicherer im Erlernen des Tagesablaufes, wenn die Kinder eine muttersprachliche Begleitung an ihrer Seite haben. Bilderbücher in unterschiedlichen Sprachen werden vorgelesen, es werden mehrsprachige Singspiele, Reime und Geburtstagslieder gesungen. Im Elterncafé, bei Angeboten und in der Bring- und Abholsituation finden sich oft gleichsprachige Familien, denen es freigestellt wird, sich im Haus noch miteinander zu unterhalten. So entstehen wertvolle Netzwerke. Wichtig ist der Einrichtung, dass Kinder und Familien ihre eigene Sprache und damit einen Teil ihrer Kultur als akzeptiert und wertvoll erleben.

 

Autor*in: Andreas Schenk

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Datum: 20 Jul, 2022